Jänner 2009

Beerendienst und Buzz

Auf dem Marktplatz deklamiert die klassische Werbung ihre Kaufbefehle, die Passanten ziehen genervt davon. Die Branche träumt von einer direkten und diskreten, perfekten und personalisierten Kundenansprache, einem funktionierenden One-to-one-Marketing. Mit dem Aufkommen des Internets wurde es himmelhoch gepriesen, mit dem Neuen Markt verschwand es im Keller. Im Netz verblieben sind lustlos blinkende Banner, die kaum ein Nutzer registriert, sowie Spam, die digitale Pest. Soweit die Vorgeschichte.

Ausbildung? Ein seltsames Wort.Aus und fertig? Ein trügerischer Eindruck, eine Einbildung. Wer nicht mehr lernt, bleibt auf der Stelle stehen. Früher oder später wird ihm dann der Boden unter den Füßen entzogen. Wissen ist eine dynamische Angelegenheit, will und muss immerzu aktualisiert werden. Besonders im Geschäftsleben. Kein Manager kann es sich leisten, auf Titel und Lorbeer auszuruhen. Veränderte Rahmenbedingungen, gesellschaftliche oder marktbedingte Entwicklungen erfordern unmittelbar oder mittelbar die Anpassung approbierter Handlungsmuster.

„Der beste Weg, sich selbst eine Freude zu machen, ist zu versuchen, einem anderen eine Freude zu bereiten“, erkannte Mark Twain. Und der sicherste Weg, einen anderen Menschen zu erfreuen, besteht darin, ihn mit erlesenen Getränken zu beschenken. Nicht umsonst gehört der Rebensaft seit jeher zu den beliebtesten und am meisten gerühmten Genussmitteln. Bereits der Altgrieche Plutarch wusste: „Wein ist unter den Getränken das nützlichste, unter Arzneien die schmackhafteste, unter Nahrungsmitteln das angenehmste.“

Das Internet ist nicht nur bedeutender Werbe- und Wirtschaftsmarkt, sondern auch immenser Meinungsmarkt. Auf Websites sowie in Blogs und Foren werden Informationen verhandelt,Trends und Stimmungen reflektiert sowie Produkte und Dienstleistungen kommentiert. Was gemeinhin mit dem Label Web 2.0 bedacht wird, bedeutet nicht nur User generated Content, sondern oft auch Consumer generated Content. Darüber hinaus bewirkt die Vernetzung der Plattformen, dass aussagekräftige Botschaften sich rasch und vielfältig verbreiten. Es entsteht Buzz.

Ein neuer Kaffee, sein Name ist ein Versprechen: Balance. Aufatmen, entspannen, erholen, Energie tanken, Harmonie finden; sich Zeit nehmen, für sich, für Inspiration und Reflexion, die Wiederherstellung und Veredlung des Lebensgefühls. So wird mit diesem Kaffee die Unterbrechung des Alltags zu einer Heimkehr, zu einer Rückkehr zum Selbst. Balance – das ist der direkte Weg zum inneren Gleichgewicht.

Hie und da wedelt eine Palme in Cannes, sonst rauscht sie meist am Konsumenten vorbei. Nix gegen Beckenbauer,Gottschalk, Klum & Co. - aber müssen sie allabendlich in unsere Wohnzimmer eindringen, flimmernd und trötend? Nix gegen das Bier, das angeblich schön prickelt im Bauchnabel, aber ist die Botschaft nicht längst abgestanden? So hinterlässt die Werbung immer öfter einen schalen Geschmack beim Publikum. Macht nix, die Konsumenten sind ohnehin nur indolente Beute, oder?

Also haben kluge Köpfe das Corporate Publishing erfunden, eine Kommunikationsform, die den Menschen nicht zum Konsumenten erniedrigt, sondern als Charakter anerkennt, die ihm nix aufdrängt, sondern einlädt, nichts vorlügt, sondern vorlebt; eine Kommunikationsform, die eine Renaissance der Marke begründet. Dazu Christian Blümelhuber von der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Ein Markenbild entsteht in einem ganzheitlichen Prozess, nicht durch das einseitige Vermitteln von Werbebotschaften. Marken müssen das werbliche Versprechen einlösen – nur daran werden sie gemessen.“

Dieser Buzz – die Gesamtheit der Meinungsäußerungen zu einem Produkt, einer Marke, einem Unternehmen oder einer Dienstleistung – wurde bisher als Awareness angenommen oder als Hintergrundrauschen abgetan.Tatsächlich bedeutet der Buzz jedoch ein Geschenk, eine fantatstische Gelegenheit, Reputation und Markt zu erkunden. Wer ihn auszuwerten imstande ist, erfährt mehr über seine Branche, sein Image und die Denkmuster der Zielgruppe als er je zu träumen wagte.

Weine sind eine persönliche Angelegenheit, das betrifft ihre Herstellung und ihren Charakter. Das ist im Kontext des Schenkens bedeutsam, denn ein Geschenk ist just so viel wert wie die Liebe, mit der es ausgesucht wurde. Weine sind einzigartig und wollen von einzigartigen Menschen konsumiert werden. Wer Wein schenkt, investiert nicht in eine geschäftliche Beziehung, sondern in eine menschliche. So erweist der Weinschenkende dem Beschenkten einen Beerendienst. Denn ein guter Wein, das ist ein Billett zum Glücklichsein, der Eintritt, der Aufstieg in die Welt des Genusses.

Wer unvorbereitet in die neue Kommunikationswelt stolpert, gewinnt weder Blumentopf noch Reputation. Kennt man aber Netz und entsprechende Gepflogenheiten, ist nahezu nichts unmöglich. Es gilt daher: In der vernetzten Welt werden Marken gemacht und vernichtet, Kunden gewonnen und verloren.Wer hier mitspielen will,muss sich auskennen.

Kleines Medley aus PR- und Marketingtexten | Diverse Auftraggeber, 2001-2007 | NOLLS PASSAGE