Nolls Marginalien

 

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Nolls Passage

Samstag, 12. April 2014, 17:56 Uhr

Rumba

. — Die Gespräche des göttlichen Pietro Aretino. Nur kurz angesehen, aber hübsche Momente mit Nanna, die auf Antonias Frage „Du seufzest?“ antwortet mit: „Ach du lieber Gott, ja!“ – „Die Welt? Ach herrje!“ – „Jeder Mensch hat seine Trübsal.“ – „Und gewiss, gewiss, Gevatterin: ’s ist nicht alles so, wie’s sein sollte, und damit holla!“
Samstag, 12. April 2014, 17:54 Uhr

Retouren

. — Abstrus, fraglos, aber bezeichnend für den Zustand der Branche: Vertrauenswürdigkeit der Journalisten wird mit 37 Prozent beziffert. Feuerwehrleute 97, Krankenschwestern 95, Banker 39, Werbefachleute 27, Versicherungsvertreter 19, Meinungsforscher 58 Prozent. – Würde man diesem Unfug damit nicht Ehre erweisen, könnte man meinen, dass doch manchmal Werte wie Anständigkeit, Humanität, Wahrhaftigkeit etc. gefragt sind.
Samstag, 12. April 2014, 17:20 Uhr

Retardation

. — Rob Wijnberg, De Correspondent, sagt: „Ich möchte eigenwillige Autoren, mit einer klaren und eigenen Sicht auf die Themen.“ – Man könnte meinen, das sollte selbstverständlich sein im Journalismus, aber es ist selten geworden. Ein μ im Alphabet der Verwahrlosung.
Samstag, 12. April 2014, 17:00 Uhr+1

Revolutionierten

. — „Viele Bürger wünschen sich, dass den Banken die Leviten gelesen werden, dass noch einmal (?) abgerechnet wird mit Gier, Größenwahn, Fehlverhalten und Kontrollverlust. (...) Henry Ford zugeschrieben: Es ist gut, dass die Menschen das Bank- und Geldsystem nicht verstehen, sonst hätten wir eine Revolution noch morgen früh.“ So der Bundespräsident beim Bankentag. Banale Ansprache. Zum Versagen der Wirtschaftsmedien keine Ansage.
Mittwoch, 26. Februar 2014, 14:45 Uhr+1

Gerechtigkeit III

. — Höchste Vermögensungleichheit in Deutschland, konstatiert das DIW. Dazu Ulrich Schneider, Paritätischer Wohlfahrtsverband: „Die Vermögensschere ist nicht nur ungerecht und unsozial, sondern geradezu obszön.“
Mittwoch, 12. Februar 2014, 07:57 Uhr

Graf Typo

. — „Ein Haushalt, der keine Bücher hat, ist eine leere Welt.“ Bemerkte Hermann Zapf, 95.
Sonntag, 26. Januar 2014, 17:04 Uhr+1

Dialoge XVII

. — Tanomogi und Katsumi: „Na, da bleibt nichts als ihn reinzulegen.“ – „Nämlich?“ – „Indem wir ihn glauben machen, er wäre noch am Leben...“ — In: Kobo Abe, Die vierte Zwischeneiszeit.
Mittwoch, 15. Januar 2014, 09:41 Uhr

Gerechtigkeit II

. — „Injustice anywhere is a threat to justice everywhere.“ (Martin Luther King) – „Ich brauche keine Gnade, ich will Gerechtigkeit.“ (Gotthold Ephraim Lessing) – „Nur eine solidarische Welt kann gerechte und friedvolle Welt sein.“ (Richard von Weizsäcker) – „Wo keine Gerechtigkeit ist, ist keine Freiheit, und wo keine Freiheit ist, ist keine Gerechtigkeit.“ (Johann Gottfried Seume) – „Liebe Nachwelt! Wenn Ihr nicht gerechter, friedlicher und überhaupt vernünftiger sein werdet, als wir sind bzw. gewesen sind, so soll euch der Teufel holen.“ (Albert Einstein)
Mittwoch, 27. November 2013, 11:36 Uhr

Satzbau

. — „Ein Satz kann nie zur Ruhe kommen. Nun sitzt dies Wort, denke ich, und wird sich nicht mehr rühren. Da hebt das nächste seinen Kopf und lacht mich an. Ein drittes stößt ein viertes. Die ganze Bank schabt mir Rübchen. Ich laufe hinaus; wenn ich wiederkomme, ist alles wieder ruhig; und wenn ich unter sie trete, geht der Lärm los.“ – Karl Kraus, Pro domo et mundo.
Mittwoch, 27. November 2013, 10:56 Uhr+1

Papsts Pusteblume

. — „Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass der größte Teil der Männer und Frauen unserer Zeit in täglicher Unsicherheit lebt, mit unheilvollen Konsequenzen. Einige Pathologien nehmen zu. Angst und Verzweiflung ergreifen das Herz vieler Menschen, sogar in den sogenannten reichen Ländern. Häufig erlischt die Lebensfreude, nehmen Respektlosigkeit und Gewalt zu, die soziale Ungleichheit tritt immer klarer zutage. Man muss kämpfen, um zu leben – und oft wenig würdevoll zu leben.“ — Papst Franziskus, Evangelii gaudium.
Montag, 25. November 2013, 10:31 Uhr+1

Pro domo et mundo

. — „Das Leben ist eine Anstrengung, die einer besseren Sache würdig wäre.“ – „Die Außenwelt ist eine lästige Begleiterscheinung eines unbehaglichen Zustands.“ – „Nur in der Wonne sprachlicher Zeugung wird aus dem Chaos eine Welt.“ – „Meine Sprache ist die Allerweltshure, die ich zur Jungfrau mache.“ – „Der Gedanke ist das, was einer Banalität zum Gedanken fehlt.“ – „Kunst ist das, was Welt wird, nicht was Welt ist.“ — Karl Kraus.
Donnerstag, 7. November 2013, 11:17 Uhr+2

Kierkegaard IX

. — „Vater im Himmel! Wende nicht länger Dein Antlitz von mir, lass es aufs neue für mich leuchten, so dass ich Deine Wege wandeln möge und mich nicht ferner von Dir verirre, wo Deine Stimme mich nicht mehr erreichen könnte. Lass Deine Stimme für mich ertönen, von mir gehört werden, wenn sie mich auch erschreckend einholte auf meinem Wege im Dickicht, wo ich als krank und befleckt im Geiste abseits und einsam lebe, fern von der Gemeinschaft mit Dir und den Menschen.“ (II, A 538)
Donnerstag, 7. November 2013, 11:04 Uhr+1

Kierkegaard VIII

. — „Es ist doch ein merkwürdiger Übergang, wenn man beginnt, die Lehre von Indikativ und Konjunktiv zu lernen; denn hier tritt zum ersten Mal ins Bewusstsein, dass alles darauf ankommt, wie etwas gedacht wird, das Denken in seiner Unbedingtheit eine scheinhafte Wirklichkeit aufhebt.“ (II, A 155)
Mittwoch, 30. Oktober 2013, 14:33 Uhr

De nada

. — „You were right. I’m not over you. You were the one. You always will be. But I can’t live with you. What’s so great about you is, you always think you’re right; what’s frustrating about you is, you are right so much of the time. You are brillant, funny, surprising, sexy. But with you I was lonely.“ Stacy zu House. In: House 1,22.
Sonntag, 20. Oktober 2013, 13:47 Uhr+1

Kierkegaard VII

. — „Irgendwo in England findet sich ein Grabdenkmal, auf dem nur diese Worte stehen: Der Unglücklichste. Ich möchte mir vorstellen, einer läse das und glaubte nun, es liege dort gar niemand begraben, sondern es sei für ihn bestimmt.“ (III, A 40)
Sonntag, 20. Oktober 2013, 13:45 Uhr

Kierkegaard VI

. — „Auch auf euch, meine lieben Augenblicke, muss ich verzichten, und ihr, meine Gedanken, die ihr in meinem Kopf gefangen sitzt, euch kann ich nicht länger einen Spaziergang in der Abendkühle gestatten, aber verliert nicht den Mut, lernt einander näher kennen, geht miteinander um, und zwischendurch kann ich wohl einmal bei euch vorbeischauen - auf Wiedersehen!“ (II, A 576)
Sonntag, 20. Oktober 2013, 13:37 Uhr

Kierkegaard V

. — „Wie es in der Sprache geht, dass man zuweilen auf ein Wort stößt, das von Natur eine Mannigfaltigkeit von Bedeutungen enthält, die Anlage zu einem inhaltsreichen Leben, das aber der Lauf der Zeit mehr und mehr abstumpft und zuletzt ausschließlich als Bezeichnung für etwas Schlechtes bestimmt, so dass nur der Sprachforscher hin und wieder bei Betrachtung seines traurigen Schicksals erstaunt, und der eine oder andere Schreiber, der keinen Schnürleib benutzt, es wagt, in ursprünglicher Bedeutung es aufzunehmen, wobei es sich oft zur Verwunderung, aber dann auch zum Ärgernis für die Welt vortrefflich ausnimmt, der aber doch bald diesen Versuch, dies Spiel mit seinem Dasein aufgibt und es wieder in der harten Notwendigkeit der Sprachentwicklung untergehen lässt - genauso geht es auch mit dem einzelnen Menschen.“ (II, A 516)
Freitag, 18. Oktober 2013, 09:16 Uhr+1

Wire, Last Word

. — „But the ultimate act of reportage would be really surround something that is endemic and complex, and to make it understandable, so that more people can adress themselves to solving that problem than ever before. And that never happens.“ (David Simon) – „It’s all about not really trusting the audience to figure things out. It’s as if they believe that the public can’t take on long issues.“ (Ed Burns)
Freitag, 18. Oktober 2013, 09:14 Uhr

Read it and weep

. — „If I think something about a story, I’m gonna speak on it. You know what a healthy newsroom is? It’s a magical place where people argue about everything all the time.“ – August Haynes. In: Wire 5,1.
Freitag, 18. Oktober 2013, 09:09 Uhr

Kierkegaard IV

. — „Es gibt Menschen, die in Ideenassoziationen reden; aber weit tiefer liegt ein Standpunkt, den ich die Selbstsucht der Wörter nennen möchte, wo das eine Wort das andere mitreißt, wo Wörter, die oft zusammen in Gesellschaft kommen, einander suchen; ungefähr wie es mit Wörtern in einem Lexikon geschähe, wenn sie lebendig würden, sie stellten sich in die gleiche Ordnung, an die sie gewöhnt wären.“ (II, A 583)
Dienstag, 15. Oktober 2013, 19:11 Uhr+1

Kierkegaard III

. — „Eine so lange Zeitspanne ist wieder hingegangen, in der ich mich nicht auf das Geringste habe sammeln können. Ich will nun zusehen, dass ich wieder einen kleinen Anlauf nehme.“ (II, A 208) [= Metablogger LIV] – „Ich suchte gerade nach einem Ausdruck, um die Art Menschen zu bezeichnen, für die zu schreiben ich Lust haben könnte in der Überzeugung, dass sie meine Anschauung teilen würden, und nun finde ich ihn bei Lukian: paranekroi (einer, der tot ist, wie ich), und ich hätte Lust, eine Schrift für paranekroi herauszugeben.“ (II, A 690) [= Metablogger LV]
Dienstag, 15. Oktober 2013, 19:04 Uhr+1

Kierkegaard II

. — Søren Kierkegaard, Tagebücher, Band 1: „Einer, der verrückt wurde, indem er sich jeden Augenblick bewusst wurde, dass die Erde sich drehe.“ (I, A 182) – Dazu Cioran: „Heute früh, als ich einen Astronomen über Milliarden von Sonnen sprechen hörte, habe ich darauf verzichtet, meine Morgentoilette zu machen: Wozu sich überhaupt noch waschen?“

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