Nolls Marginalien

 

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Nolls Passage

Mittwoch, 12. Mai 2021, 10:54 Uhr

Krähen II

. — Noch einmal Freud, bekundend, dass er nicht biographiert werden möchte, 21.02.1936, dieserart: „Die Wahrheit ist nicht gangbar, die Menschen verdienen sie nicht, und übrigens hat unser Prinz Hamlet nicht recht, wenn er fragt, ob jemand dem Auspeitschen entgehen könnte, wenn er nach Verdienst behandelt würde?“
Mittwoch, 12. Mai 2021, 10:30 Uhr

Krähen

. — „Es sind wohl psychische Vorgänge, die aufeinander folgen, aber nicht immer psychische Motivierungen, die sie berbeiführen, und man kann in deren Aufrollung sehr irre gehen.“ – Freud, am 12. Mai 1934, A. Zweigs Nietzsche-Porträt-Projekt kritisierend; quasi Ausbremsung analytischen Eifers; achtet Kontingenzen.
Mittwoch, 12. Mai 2021, 09:49 Uhr+3

Nützen

. — „Diese Karte nützt das Datum aus, um Ihnen und den Ihrigen in Anlehnung an einen alten Allmachtsaberglauben ein glückliches Jahr zu wünschen.“ – Freud an A. Zweig, 30.12.1930.
Montag, 10. Mai 2021, 11:19 Uhr+1

Würzung

. — „Es gibt (...) Köchinnen, die eine Leidenschaft für Kümmel haben; kein Gericht, das sie bereiten, von der Hammelkeule bis zur Schlagsahne, ist davor sicher. Nach kurzer Zeit fängt man an, das fatale Gewürz herauszuschmecken; man erwartet es schaudernd, und alsbald ist es da; schließlich erregt der leiseste Verdacht auf Kümmel beinah Übelkeit.“ – Lytton Strachey, Das Leben, ein Irrtum.
Montag, 10. Mai 2021, 10:53 Uhr+2

Schreibung

. — „Dass die Frage, ob Geschichtsschreibung eine Kunst sei, nicht nur gestellt, sondern ernsthaft erörtert worden ist, gehört in eine Kuriositätensammlung der menschlichen Torheiten. Was sollte sie anderes sein? Es liegt auf der Hand, dass Geschichte nicht Anhäufung von Tatsachen, sondern deren Verknüpfung ist. Nur die Pedanterie kümmerlicher Akademiker könnte sich vergeblich um eine andere Auffassung bemühen. Tatsachen, die sich auf die Vergangenheit beziehen, sind, wenn kunstlos zusammengetragen, Stoffsammlungen; sie sind ohne Zweifel nützlich, aber genau so wenig Geschichte, wie Butter, Eier, Salz und Kräuter ein Omelett sind.“ – Lytton Strachey, Das Leben, ein Irrtum.
Freitag, 30. April 2021, 09:35 Uhr

Wegweisung

. — Unabhängigkeit der Weltbühne, auch gegenüber Lesern; Siegfried Jacobsohn: „Sie beklagen sich über den Ton meines Blattes? Da weiß ich Ihnen ein sicheres Mittel: Befreien Sie mich von Ihrem Lesertum, und das schnellstens.“
Dienstag, 27. April 2021, 09:09 Uhr+1

Annihilation

. — „Was blieb von ihm, wenn ihm jeder Anschein, den er sich gab, genommen war?“ – „Alles, woran er sich aus seiner Vergangenheit erinnerte, hatte seine Unschuld verloren. Er erkannte, dass alles, was man sagt, entweder mehr bedeutet als man wollte oder weniger als man wollte; dass alles, was man tut, entweder mehr bewirkt als man wollte oder weniger als man wollte. Natürlich hatte, was man sagte oder tat, irgendwelche Auswirkungen, aber nicht die, die man beabsichtigte.“ — Philip Roth, Amerikanisches Idyll.
Mittwoch, 21. April 2021, 16:28 Uhr

Kosmos

. — A. Humboldt: „Wissen und Erkennen sind die Freude und Berechtigung der Menschheit.“
Mittwoch, 21. April 2021, 12:25 Uhr

Subtraktion

. — Wenn du an einer Sache oder Situation etwas ändern musst oder willst, hast du zwei Möglichkeiten: etwas hinzufügen oder wegnehmen. Letzteres kommt den meisten nicht in den Sinn. Da protokolliert. – Probleme XIV: Akkumulation bedeutet (immer) Verderbnis.
Sonntag, 18. April 2021, 08:50 Uhr+1

Humanität

. — Seines Sterbens gewahr, ersann David Hume diesen Dialog (XXVIII): „Habt ein wenig Geduld, guter Charon. Ich habe mich bemüht, der Öffentlichkeit die Augen zu öffnen. Wenn ich paar Jahre länger lebe, wird mir vielleicht die Befriedigung zuteil, den Untergang einiger der herrschenden abergläubischen Systeme mitzuerleben.“ Woraufhin Charon knurrt: „Das wird in vielen hundert Jahren nicht passieren. Steig sofort in das Boot, säumiger Spitzbube.“
Donnerstag, 15. April 2021, 09:28 Uhr

Emergency

. — Dr. Michael J. Ryan, WHO: „It's difficult. Sometimes we over-extrapolate from one event to the other and sometimes we don't learn enough lessons and we don't adapt enough. I think what we've learnt in Ebola outbreaks is you need to react quickly, you need to go after the virus, you need to stop the chains of transmission, you need to engage with communities very deeply; community acceptance is hugely important. You need to be co-ordinated, you need to be coherent, you need to look at the other sectoral impacts, the schools and security and economic. So it's essentially many of those same lessons but the lessons I've learnt after so many Ebola outbreaks in my career are be fast, have no regrets; you must be the first mover. The virus will always get you if you don't move quickly and you need to be prepared and I say this. One of the great things in emergency response - and anyone who's involved in emergency response will know this - if you need to be right before you move you will never win. Perfection is the enemy of the good when it comes to emergency management. Speed trumps perfection and the problem in society we have at the moment is everyone is afraid of making a mistake, everyone is afraid of the consequence of error. But the greatest error is not to move, the greatest error is to be paralysed by the fear of failure and I think that's the single biggest lessons I've learnt in Ebola responses in the past.“
Dienstag, 16. März 2021, 10:34 Uhr

A priore

. — Lob der Theorie, von Walter Brugger: „Denn alle Praxis ist an vorgegebene Bedingungen gebunden und in eine vorgegebene Ordnung hineingestellt, mit der sie rechnen und die sie im Voraus erkennen muss, soll sie nicht scheitern.“
Dienstag, 2. Februar 2021, 08:45 Uhr+1

Anerkennung IV

. — Kommen wir zum (zu meinem) Rückblick auf die Höhepunkte des Jahres (weil es grotesk wäre, noch etwas zu erwarten): Die Kollegin vom Theater, die mich (überraschenderweise) dieserart ansprach: Jörgenius.
Sonntag, 31. Januar 2021, 17:00 Uhr+1

Nos­t­al­gik

. — Der zweitbeste Kritiker wäre jener gewesen, der es fertiggebracht hätte, den Stargeiger so grimmig anzusehen, dass er sein Instrument ablegt und von der Bühne stiebt.
Samstag, 30. Januar 2021, 17:58 Uhr

Lost in Brain

. — Diese (unglaubliche) Enttäuschung, wenn man, auf dem Sofa liegend, zwei Einfälle hatte, aufstand, um sie zu notieren (notdürftig, ausreichend) – und dann merkt, dass man den zweiten vergessen hat und dass er sich weder finden noch rekonstruieren lässt. Dann schreibt man (trauernd, anklagend) solche Zeilen.
Samstag, 30. Januar 2021, 11:45 Uhr

Antipoditas

. — „Warum ich lebe? Vielleicht aus Trotz? Aus purem Trotz.“ – Wolfgang Borchert, Die Hundeblume. Erzählungen aus unseren Tagen.
Freitag, 29. Januar 2021, 19:12 Uhr

Oberdumm

. — Eine Jungliberale im Vorstellungsgespräch: Ihre Stärke sei, ohne Wenn und Aber, das Authentizistische. Das mit dem Botox sei nur pyrolaktisch.
Freitag, 29. Januar 2021, 09:39 Uhr

Opportun

. — „Ich stehe morgens auf, und der Tag ist mein Freund.“ So soll sich Til Schweiger, las ich irgendwo, im Januar 2007 zum Stern geäußert haben, und zwar zum Thema Optimismus. Was ich las, stillschweigend korrigierend: Opportunismus. – Wem das nicht genügt, Jean-Baptiste Poquelin, anno 1666: „Wer jedermans Freund sein will, ist der meine nicht.“
Freitag, 22. Januar 2021, 10:14 Uhr

Subversion II

. — Also fragte er jenen Moderator, welche Worte im Fernsehen verboten sind. – Und was mich maßlos ärgerte: Da beschließen die FFP2-Maskenpflicht, ohne an die Bitterarmen zu denken, die sich diese weder leisten noch sonstwie beschaffen können. Um das Soziale ist es in dieser Sozialen Marktwirtschaft sehr schlecht bestellt.
Freitag, 22. Januar 2021, 09:46 Uhr

Communication Breakdown II

. — Der nächste Freund, der den sog. sozialen Medien abschwor. Den dort grassierenden Wahnsinn möchte er keinen Tag länger in seinem Leben haben. Verständlich. Aber ich fürchte, dass es draußen nicht besser ist. Dieser Wahnsinn verhält sich wie die Flüssigkeit in kommunizierenden Röhren.
Montag, 18. Januar 2021, 11:03 Uhr

Subversion

. — „Waldmann und die Witwe dort im Zimmer, Leser, das bleibt unter uns, wie immer.“ – Ror Wolf, Alles andre: ungewiss.
Montag, 4. Januar 2021, 13:28 Uhr

Communication Breakdown

. — Titel eines Liedes von Maustetytöt: Soitin sulle kertoakseni en mitään, was übersetzt bedeutet: Ich habe dich angerufen, um nichts zu sagen.
Montag, 28. Dezember 2020, 10:01 Uhr+1

Heiligenstadt

. — „Ihr Menschen, die ihr mich für feindselig, störrisch oder misanthropisch haltet oder erkläret, wie Unrecht tut ihr mir, ihr wisst nicht die geheime Ursache von dem, was euch so scheinet“, schrieb am 6. Oktober 1802, aus Heiligenstadt bei Wien, an seine Brüder, Ludwig van Beethoven. „Bedenket nur, dass seit sechs Jahren ein heilloser Zustand mich befallen.“

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