Archiv

 

Suchfunktion

 

Annonciert

 

Nolls Marginalien

 

Nolls Passage

Mittwoch, 28. Mai 2003, 01:03 Uhr<  >

Fiktion

. — Literarische Bestrebungen sind mir fremd. Und doch schlummert seit Jahren in mir der Gedanke, einen Kriminalroman zu schreiben. Lag das Projekt zunächst länger brach, weil es an einer geeigneten Co-Autorin mangelte, holte mich der Gedanke an Weihnachten wieder ein. Zehn Seiten an einem Vormittag. Und hier ein Auszug:

Franz Fromm, 56, Kriminalkommissar. Ein intelligenter Kerl, dem daran gelegen war, seine Talente durch die regelmäßige Einnahme von Alkohol zu mindern. [Die nachstehende Szene spielt in seiner Lieblingskneipe.] Er hielt inne und dachte an frühere Zeiten, die auch nicht besser waren. „Noch neun Jahre bis zur Pensionierung. Noch neun Jahre.“ Morgen würde er mit der Bank über das Darlehen sprechen. „Einen Wodka“, bestellte er mit Stimme und Fingerzeig. Seine liebste Bedienung griff nach Glas und seiner Marke. Für einen Moment fühlte sich Franz zu Hause. „Mit oder ohne Eis?“ distanzierte ihn die Thresenschlampe gleich darauf wieder zum geduldeten Gast. „Ohne“ antwortete er, enttäuscht darüber, dass sie seinen Gedanken nicht erraten hatte. Er zündete sich eine Zigarette an, denn er liebte es, nach dem ersten Schluck, der die Eingeweide spülte, den klebrigen Rauch zu inhalieren. Für eine Sekunde war jede Trostlosigkeit verflogen. „Wie geht es weiter?“ dachte er und stellte mit Genugtuung fest, damit nicht nur Abend, Fall und Leben gemeint zu haben, sondern auch sein Verhältnis zu Olga. Oder sollte er besser sagen: sein Verhältnis mit Olga? Er schüttelte sich und beschloss, in den nächsten Tagen, ihrer und vor allem seiner Gefühlsirritation nachzugehen.

Ihr Kommentar:

Name:
Homepage:
Mailadresse:
Nachricht:

Kleine Selbstanzeige

 

Nolls Passage

 

Text & Redaktion

 

Medien & Konzeption

 

Beratung & Kommunikation

 

Stil & Sprachkritik