Archiv

 

Suchfunktion

 

Annonciert

 

Nolls Marginalien

 

Nolls Passage

Donnerstag, 22. Mai 2014, 19:38 Uhr<  >

Carpaccio

. — Dann doch Tagebücher des Raddatz, Fritz, gelesen. Keine Rezension, aber paar schöne Stellen: „Ein Charakter wie ein Bürstenhändler, den man zur Vordertür rauswirft und der sich fünf Minuten später zur Hintertür hereinwinselt.“ – „Hier war immer der der Nestbeschmutzer, der auf ein schmutziges Nest hinwies, und nicht der, der es beschmutzt hat.“ – „Hatte doch etwas Großes. Der kann wenigstens noch kaputtgehen an dieser Welt...“
Donnerstag, 22. Mai 2014, 19:40 Uhr > Noll >
Eintrag vom 2.7.1993 schließt so: „Ich bin lächerlich.“ [= Metablogger LVII]
Donnerstag, 29. Mai 2014, 19:52 Uhr > Noll >
„Er hat eines dieser unsäglichen Public-Relations-Büros, von denen ich (und wohl niemand) nie weiß, was sie eigentlich tun. Es scheint eine Art Firmen-Psychotherapie zu sein. So züchtet sich der fresssatte Kapitalismus solche Mit-Esser. Sie beraten die Firmen zu irgendeinem Quatsch: Ich verhelfe Ihnen zu Ihrer Identität, sagt so jemand, ohne rot zu werden. Grotesk.“ (17.1.1988)

„Wie Günter Grass – um dem ziemlich im Abseits vegetierenden Arno Schmidt etwas Rampenlicht zu verschaffen – eine Rede auf ihn gehalten habe, ich glaube in irgendeiner Akademie, und Arno Schmidt war anwesend und kam hinterher an ihm vorbei, klopfte ihm auf die Schulter, sagte: Brav, junger Mann und ging.“ (22.1.1998)

„Gestern Oberleutnant Helmut Schmidt mit dem Kommentar, er habe von der Judenvernichtung erst nach dem Kriege erfahren. Wie dreist kann dieser Mann – der nie mit einem Wort erklärt hat, warum er, doch freiwillig, Offizier der Naziarmee wurde – lügen. Die Kinder sangen bereits Abzählreime: dann kommst du ins KZ, und die Juden wurden auf Hamburgs Moorweide oder in Berlin-Zehlendorf vor aller Augen zusammengetrieben: zu Spreewaldfahrten wohl?“ (14.4.1998)

Dazu, Mai 1985, nach einer Podiumsdiskussion zum 8. Mai: „Meiner ewigen Frage, was wohl die Mieter in den Berliner oder Breslauer Mietshäusern gedacht haben, als alle Familien Goldstein verschwanden (sie konnten ja nicht alle zu Ferien an der Ostsee aufgebrochen sein); wie frenetisch doch immerhin nahezu alle Herren Deutschen diesem Herren aus Braunau applaudiert haben; wie wenig es mir nach Sabotage des Proletariats klingt, wenn man heute weiß, dass der höchste Industrie-Ausstoß im 3. Reich im März 1945 war: Sie wären doch alle, alle mit ihm bis ans Ende der Welt marschiert, wenn’s nur technisch, also militärisch geklappt hätte, und die Gauleiter hätten sich auf ihren Rittergütern im Osten gesuhlt, und die Mimen hätten gemimt, die Dichter gedichtet, die Karajans gegeigt... Dies ewige Was hätten sie denn machen sollen, sie konnten doch nicht alle emigrieren kann ich nun auch wieder nicht hören; ich habe ja nie 90 Millionen Widerstandskämpfer gefordert – aber erlaube mir, festzustellen, dass Heinz Rühmann eben nicht nur Quax spielte oder die Feuerzangenbowle, sondern widerliche Hetzlieder gegen Churchill sang: um seine Villa im Grunewald zu haben. Das musste man eben garnicht, und wenn man’s tat, muss man sich das schon vorhalten lassen.“

Ihr Kommentar:

Name:
Homepage:
Mailadresse:
Nachricht:

Kleine Selbstanzeige

 

Nolls Passage

 

Text & Redaktion

 

Medien & Konzeption

 

Beratung & Kommunikation

 

Stil & Sprachkritik