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Nolls Marginalien

 

Nolls Passage

März 2005April 2005
Donnerstag, 31. März 2005, 16:05 Uhr

Erschrocken

. — 70% der lieben Mitbürger sind verliebt, ergab nachstehende Umfrage. Dann die Entwarnung: Lediglich 4% sind akut, 2% unglücklich verliebt, 11% liebesmüde und 10% möchten sich verlieben. (Und Herr N.? Bekundete: Hmpf.)

Schon mal im Supermarkt Weinplörre gekauft und ob Holznote gewundert? Eichenfässer, Glücksgriff? Nö, Beschmackung erfolgte vermutlich durch überdimensionierte Quasiteebeutel (Oakchips) oder Beigabe flüssiger Tannine. Proust, my friend.

Wia de Johr vorbeigehn, fast ohne Spur / man siehgt uns garnix o, a paar Kratzer nur // Aber mir, mir is des alles Wurscht / i kaaf ma a Hoibe für mein Durscht / weil ändern tuat se sowieso nix / Prost, mei Freind, wos soi’s? (Georg Ringsgwandl)
Donnerstag, 31. März 2005, 11:39 Uhr

Gleiten lassen

. — „Il faut glisser la vie, ne pas l’appuyer“, schrieb Hugo von Hofmannshal 1895 an den Vater, was mir B. freundlicherweise mit „Man muss das Leben gleiten lassen, sich nicht darauf verlassen“ übersetzte. – Mir schwant, dass ich weder das noch den eben bemühten Schwan verstehe. (Hm, Hofmannsthal lag mannigfach verkehrt; warum kann ich kein französisch (die Sprache!), allein Baudelaire lohnte es.) Ob ein Leser mehr versteht?

Vielleicht kann mir auch jemand erklären, warum sich irgendjemand einen Storch braten sollte. Wäre schade, deucht mir; zumal ein Storchbräter ziemlich unhandlich sein dürfte.

Was ich auch nicht verstehe: Warum sieht man flirtgefällige Frauen meist nur in unmöglichen Momenten? Diesmal: Neue Nachbarin, hübsch, halbnackt am Fenster, lächelnd, während Herr N., ungekämmt, mit zwei riesigen Mülltüten heraustrat. (So dass Gestikulieren schlechterdings unmöglich war.) Egal, auch das. Gleiten lassen.
Mittwoch, 30. März 2005, 22:34 Uhr

Tageslacher

. — „Dann legt er grußlos auf und lässt mich verwirrt zurück. Ich notiere pflichtgemäß: Wir werden heute entsorgt.“ (Lyssa) – Dem ist nichts hinzuzufügen. Ein Witz vielleicht? Ein Betrunkener beschimpft in der Straßenbahn die Fahrgäste zu seiner Linken: „Lauter Idioten, lauter Idioten!“ Die Leute zu seiner Rechten fährt er mit „Lauter Ehebrecher, lauter Ehebrecher!“ an. Da springt ein Mann auf und kläfft: „Was fällt ihnen ein? Ich bin seit 20 Jahren verheiratet und habe meine Frau noch nie betrogen!“ Darauf der Betrunkene: „Setz’ Dich zu den Idioten!“
Mittwoch, 30. März 2005, 14:43 Uhr

Metablogger IV

. — Im Blog verschanzt sich das Individuum, seinem Ausverkauf widerstreitend. In der Gesamtheit der Blogs manifestiert sich die Guerilla des sog. gesunden Menschenverstands. (Bloglandschaften als Schlachtfelder.)
Mittwoch, 30. März 2005, 13:51 Uhr

Metablogger III

. — Leben abbilden, wie es ihnen vorkommt, Anekdoten schaffen, Vergangenes mitteilbar machen.
Mittwoch, 30. März 2005, 10:06 Uhr

Abraham J. Zelmanowitz

. — Den Namen wird man sich merken müssen. Abe blieb bei seinem (gelähmten) Freund Edward Beyea, starb mit ihm am 11. September 2001 in den Trümmern des WTC. Abe Zelmanowitz – eine Ehrerbietung.
Dienstag, 29. März 2005, 14:05 Uhr

An Olga Waissnix

. — Aus ihrer (herzlichen) Korrespondenz mit (dem liebenden) Arthur Schnitzler: „Sie kennen sie ja, die alten Klagen. Immer dasselbe. Zersplitterte Zeit, zerfahrene Stimmung.“
Dienstag, 29. März 2005, 14:00 Uhr

Verleidete Dialektik

. — „Die Bedingung, Eurydike nicht anzuschauen, ist die Bedingung, sie zu vergessen“, glaubte Gotthart Wunberg. „Wenn Orpheus Eurydike vergisst, wird er sie wiedergewinnen; weil nur der, der vergisst, sich auch zu erinnern, weil er sie nur im Erinnern wiederzugewinnen vermag.“
Montag, 28. März 2005, 19:01 Uhr

Metablogger II

. — Dass sie, verlorene Existenzen, manche weniger, manche mehr, einen Schuss haben, mag angehen, schlimm sind ihre kläglichen Sublimierungsversuche, dieses Rumgesuhle. – Zwei sympathische Rückkehrer immerhin: doc und king. -- Nachtrag, 29. März: Dass ich ihr noch einmal Recht geben würde, hahaha, aber mit Dachschaden hat sie es auf den Punkt gebracht. Bevor ihr Kindergarten losheult – Ana: „Irgendwie drängen sich mir Gedanken über die Sinnlosigkeit aller Bemühung um den Menschen an sich auf.“ --- Bevor sich noch jemand zum Affen macht: Der Autor N. zählt sich dazu.
Montag, 28. März 2005, 17:09 Uhr

Game over

. — „Aufmerksamkeit ist diejenige Menge sukzessiver Substitutionen der Erkenntnis und damit verbundener Veränderungen ihres Organs – die bestimmte Beziehungen am besten bewahrt“, so Paul Valéry in seinen famosen Cahiers. „Doch kann man einen solchen Aufwand nicht unbegrenzt bestreiten. Schon werde ich abtrünnig.“
Montag, 28. März 2005, 14:13 Uhr

Verdammtnochmal

. — Ich wäre stolz, mit ihr befreundet zu sein, schrieb ich, dachte ich, bestätigte sie. – I was wrong. Was für eine Enttäuschung! Dumm, tragisch, verdrießlich. (Die Unzuverlässigkeit der Welt kotzt mich an.) Fare thou well.
Donnerstag, 24. März 2005, 15:27 Uhr

Sonniges Gestammel

. — Sonnenschein, mittags Kino, Campus. Oh, wie schön war die Studentenzeit. (Warum habe ich den Lehrauftrag nicht fürs Sommersemester?) – Wieder hier, offenes Fenster, Hemd, und, oh, eine kleine Spinne, im Sonnenschein tanzend. So kleine Geschöpfe sind immerhin ein Grund, der Schöpfung etwas abzugewinnen. Sie ist weg.
Mittwoch, 23. März 2005, 21:43 Uhr

Das Leben, ein Weib

. — „Ich will sagen“, bemerkt der grandiose Nietzsche, „dass die Welt übervoll von schönen Dingen ist, aber trotzdem arm, sehr arm an schönen Augenblicken und Enthüllungen dieser Dinge. Aber vielleicht ist dies der stärkste Zauber des Lebens: Es liegt ein golddurchwirkter Schleier von schönen Möglichkeiten über ihm, verheißend, widerstrebend, schamhaft, spöttisch, mitleidig, verführerisch. Ja, das Leben ist ein Weib!“
Mittwoch, 23. März 2005, 21:42 Uhr

Mehr Müßiggang

. — „Die Arbeit“, argwöhnte bereits Nietzsche, „bekommt immer mehr alles gute Gewissen auf ihre Seite: Der Hang zur Freude nennt sich bereits Bedürfnis nach Erholung und fängt an, sich vor sich selber zu schämen.“
Mittwoch, 23. März 2005, 21:31 Uhr

Müh

. — „Die Wenigsten wissen, dass auch das Nichtschreiben die Frucht langer und mühseliger Arbeit ist.“ (Anton Kuh)
Mittwoch, 23. März 2005, 21:23 Uhr

Vetters Eckfenster

. — „Vetter, Vetter!“, lässt E.T.A. Hoffmann seinen Erzähler ausrufen, „nun sehe ich wohl, dass auch nicht das kleinste Fünkchen von Schriftstellertalent in dir glüht. Das erste Erfordernis fehlt dir dazu, um jemals in die Fußstapfen deines würdigen lahmen Vetters zu treten; nämlich ein Auge, welches wirklich schaut. Jener Markt bietet dir nichts dar als den Anblick eines scheckichten, sinnverwirrenden Gefühls des in bedeutungsloser Tätigkeit bewegten Volks. Hoho, mein Freund, mir entwickelt sich daraus die mannigfachste Szenerie des bürgerlichen Lebens, und mein Geist, ein wackerer Callot oder moderner Chodowiecki, entwirft eine Skizze nach der anderen, deren Umrisse oft keck genug sind."
Mittwoch, 23. März 2005, 21:17 Uhr

Metablogger

. — Flaneure des digitalen Zeitalters; sie stellen ihre Seelchen in den rauen Wind des seelenlosen Daseins.
Mittwoch, 23. März 2005, 09:58 Uhr

Geschmorter Siebeck

. — Der in der morgigen Zeitausfgabe „Knauserigkeit“ als „platt egoistisch motiviert und fürs Allgemeinwohl schädlich“ tituliert, der sie spucken lässt, sich soziologisch und moralisch diskreditiert.
Mittwoch, 23. März 2005, 09:40 Uhr

Dummies sind die anderen

. — Die beiden besten Magazine, die im Vorjahr auf den Markt gekommen sind: Cicero und Dummy. – Der Tag wird kommen, da Schmockverlage in die Röhre gucken, im Ofen der Bedeutungslosigkeit brutzeln. -- Nicht verkehrt und mutig auch: der große kleine Ulysses, das u_magazine.
Sonntag, 20. März 2005, 15:36 Uhr

Luxus

. — „Ich bin aus der Gefahr heraus, dass viele Leute etwas von mir wollen könnten. Ich bin so speziell, dass es hart ist, mit mir zu arbeiten. Ich bin sehr eigen mit meinem Kram.“ (Sarah Kuttner)
Samstag, 19. März 2005, 02:59 Uhr+3

Psychologie

. — Ist es bedenklich, wenn man bei leichtem Regen stracks nach Hause schnürt, Verlockungen des Kiezes, Party und geputzte Weiber, außer acht lässt, nachdem die Dame des Abends, eine fraglos gute, ihre Wange, dankend und verabschiedend, zunächst zum Kuss bot, dann zurückzog?
Donnerstag, 17. März 2005, 15:21 Uhr+1

Kieler Kapriole

. — Wenn wegen eines beleidigten, schlimmeres mag man kaum denken, Hinterbänklers eine, sicher nicht die schlechteste, Ministerpräsidentin gedemütigt wird, verleitet das zu Kopfschütteln, verliert der Parlamentarismus.
Donnerstag, 17. März 2005, 00:01 Uhr

Schmocks Welt

. — W. im Delirium, bemitleidenswert: „Die Straßen sind nass, das Licht ist grau, die Mädchen tragen schaurige Kleidung, die Pflanzen frieren. Wir sind ein Land, das sich am Wetter lesen lässt.“ Wir lesen nichts, wir wollen Medikamente. „Die lange Kälte hat uns alle schrumpfliger gemacht, kleiner, man zieht sich ja in sich zusammen. Je weniger Raum, desto weniger Frieren. Wenn es kalt ist, dann sind alle Dinge kalt. Kopf, Seele, Herz.“ Alle kaltherzig? Verdammt.
Montag, 14. März 2005, 12:37 Uhr+2

Miss Digital

. — Virtuelle Schönheiten im Wettbewerb, meine Stimme hat Lea Duvall. Eine Impression im Kommentar.
Samstag, 12. März 2005, 20:00 Uhr+1

Verdammt

. — Gefunden und verloren, tolle Frau, vermeintliche Freundin, Geliebte und Verliebte. Verdammtnochmal. – Sie ist geistreich, herzlich, humorvoll, intelligent, nachdenklich, sexy, wortgewandt, wunderbar. Sie, die ich vermissen tu. (Und wenn ich dich lieb habe, was geht’s dich an?)
Mittwoch, 9. März 2005, 09:52 Uhr

Spam XII

. — „You are invited to an orgy“ (F*ck yourselves) – „Say goodbye to pain“ (F*ck it) – „Get hard and stay hard“ (No matter) – „Start feeling great now“ (Buhu) – „You need this“ (No, I needn’t) — Und überhaupt, ihr verdammten *****, was ich gerne hätte, habt ihr nicht. (Habe ich nicht.)
Dienstag, 8. März 2005, 11:33 Uhr

Statt Senilität

. — Die famose Anne von Blomberg, die zu kennen mir eine Ehre ist, deren Gabe, Bücher zu schreiben, ich bewundere, hat nachgelegt: Generation Aufbruch, ein lustvolles Plädoyer fürs Älterwerden.
Dienstag, 8. März 2005, 11:32 Uhr+1

While waiting

. — Kein Goldhelm, keine Narrenkappe, ein Melancholiemützchen – an welcher Garderobe abzugeben?
Montag, 7. März 2005, 19:47 Uhr

Melancholische Zeit

. — Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin – aber ich weiß, wie spät es ist.
Sonntag, 6. März 2005, 13:42 Uhr

Morgenmantel

. — Meine neue Berufsbekleidung ist der Morgenmantel. Daran ist Matthias schuld. Jeden Monat schickt er mir ein halbes Dutzend Frauen vorbei, Sängerinnen meist, gut anzuschauende. Sie liegen auf meinem Schreibtisch, seltener im Bett, und ich muss mich entscheiden zwischen Patricia, Rebekka, Kristiina, Lauren, Maria und Viktoria. Manchmal denke ich, dass mir der Anzug auch gut stand. Dann versetze ich mich in einen Club und setze unvollendete Nächte fort, etwa diese. Ich muss weiter, Beady und Caroline rufen und zur großartigen Lyambiko muss ich auch noch.
Sonntag, 6. März 2005, 13:29 Uhr

Sunny Sunday

. — Charly Parker und (seit Wochen, Monaten oder Jahren?) sportliche Betätigung – jeden Bauchmuskel einzeln begrüßt. (Möge der Frühling über mich kommen, schreibt H. und prostet mir zu. Auch schön. Vielleicht wird das ein guter März. Weiter so, weiter.)
Freitag, 4. März 2005, 23:25 Uhr+1

Zuhörende

. — „Man hatte plötzlich die Möglichkeit, allen alles zu sagen, aber man hatte, wenn man es sich überlegte, nichts zu sagen. (...) Ein Mann, der was zu sagen hat, und keine Zuhörer findet, ist schlimm dran. Noch schlimmer sind Zuhörer dran, die keinen finden, der ihnen etwas zu sagen hat.“ (Bert Brecht)
Donnerstag, 3. März 2005, 11:27 Uhr+1

Tervetuloa

. — Tightrope Walker, das Debüt von Kristiina Tuomi, wunderbar, melancholisch, klar, zum Weinen schön. – Sydämelliset kiitokseni. (Denkt man dann noch an Kaurismäki, sollte man sich überlegen, nach Finnland auszuwandern.)
Mittwoch, 2. März 2005, 01:54 Uhr

Hossa

. — Betrunken wie lange nicht mehr. (Danke, H.) Muss man manchmal so unvernünftig sein? (Lieben Gruß an Eva.)

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