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Nolls Marginalien

 

Nolls Passage

April 2011Mai 2011
Freitag, 22. April 2011, 15:38 Uhr

Kopfsache

. — „Der Kopf spielt im Fußball eine wichtige Rolle“, beteuerte C. Daum. „Wenn er funktioniert, ist der Kopf wie ein drittes Bein.“
Dienstag, 19. April 2011, 11:29 Uhr

Komma

. — „Womit er sich tagelang beschäftigen kann, das ist sein Hyperion. Hundertmal, wenn ich zu ihm kam, hört ich ihn schon außen mit lauter Stimme declamiren“, so Wilhelm Waiblinger über Friedrich Hölderlin. „Sein Pathos ist groß, und Hyperion liegt beynahe immer aufgeschlagen da. Er las mir oft daraus vor. Hatte er eine Stelle weg, so fieng er an mit heftigem Gebärdenspiel zu rufen: O schön, schön! Eure Majestät! Dann las er wieder, dann konnte er plötzlich hinzusetzen: Sehen Sie, gnädiger Herr, ein Komma!
Montag, 18. April 2011, 10:17 Uhr+1

Gefunden

. — Leben genügt nicht, sagte der kleine Schmetterling, Sonnenschein, Freiheit und mindestens eine Blume muss man auch haben.
Freitag, 15. April 2011, 08:49 Uhr

Geheimräte

. — „Nur ein einziges Talent brachte ich der Meisterschaft nahe: Deutsch zu schreiben.“ So Herr G. in den Venezianischen Epigrammen.
Montag, 11. April 2011, 11:57 Uhr

Rettungsversuch

. — Kein Unsinn, ein Bekenntnis der Friederike Mayröcker: „Aus jeglichem Ruin, den das Leben mir zugemutet hatte, rettete mich die Sprache, die deutsche Sprache, aus den Abgründen der Verzweiflung, immer war sie da, die mir Trost spendete, die ich umschlang in meiner Not, und immer war es meine einzige, meine geliebte Sprache, dass ich nur in dieser meiner Sprache mich erklären konnte.“
Montag, 11. April 2011, 11:41 Uhr+1

Little Nick

. — „Mir war neulich der Verdacht gekommen, dass meine Mitmenschen nicht sonderlich mit mir zufrieden waren. Dass sie von mir erwarteten als ein blödes Grinsen, alberne Späße und wegzuschauen, wenn etwas passierte. Und ich hatte absolut keine Ahnung, was ich daran ändern konnte.“ – Jim Thompson, Zwölfhundertachtzig schwarze Seelen.
Sonntag, 10. April 2011, 14:35 Uhr

Angst

. — „So weit habe ich es gebracht“, schrieb Daniil Charms am 21. Juli 1937 ins Notizbuch, „ich habe Angst vor dem Leben. Der Mensch darf sich nicht von seinem Leben fürchten.“
Samstag, 9. April 2011, 22:36 Uhr

Demenz

. — Anja Reschke ist die Lena Meyer meiner Generation. – Finde beide knuffig. Das Schönste: Sie scheinen vielen Weibchen der akuten Öffentlichkeit charakterlich etwas überlegen. — Denn zu viele sind noch nicht entafft, Fabrikwaren der Natur.
Freitag, 8. April 2011, 10:54 Uhr

Verfluchte

. — Bedienen Sie sich, 5. Mose 28: „Verflucht bist du in der Stadt, verflucht bist du auf dem Land. Verflucht ist dein Korb und dein Backtrog. Verflucht ist die Frucht deines Leibes und die Frucht deines Ackers, die Kälber, Lämmer und Zicklein. Verflucht bist du, wenn du heimkehrst, verflucht bist du, wenn du ausziehst. Verfluchtsein, Verwirrtsein, Verwünschtsein lässt der Herr auf dich los, auf alles, was deine Hände schaffen und was du tust, bis du bald vernichtet und bis du ausgetilgt bist wegen deines Tuns, durch das du mich böswillig verlassen hast. Der Herr heftet die Pest an dich, bis er dich ausgemerzt hat aus dem Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen. Er schlägt dich mit Schwindsucht, Fieber und Brand, Glut und Trockenheit, Versengung und Vergilbung. Sie verfolgen dich, bis du ausgetilgt bist. Der Herr verwandelt den Regen, den dein Land erhält, in Staub. Der Herr stößt dich nieder und liefert dich deinen Feinden aus. Der Herr schlägt dich mit dem ägyptischen Geschwür, mit Beulen, Krätze und Grind und keiner kann dich heilen. Der Herr schlägt dich mit Wahnsinn, Blindheit und Irresein. Am hellen Mittag tappst du im Dunkel wie ein Blinder. Deine Wege führen nicht zum Erfolg. Dein Leben lang wirst du ausgebeutet und ausgeraubt und niemand hilft dir. Du verlobst dich mit einer Frau und ein anderer schläft mit ihr. Du baust ein Haus und wohnst nicht darin. Du legst einen Weinberg an und hältst nicht einmal die erste Lese. Dein Ochse wird vor deinen Augen geschlachtet und du bekommst nicht einmal davon zu essen. Dein Esel wird dir weggerissen und kehrt nicht zurück. Deine Schafe und Ziegen werden deinen Feinden ausgeliefert und niemand kommt dir zu Hilfe. Du wirst dein Leben lang nur ausgebeutet und misshandelt. Wahnsinn befällt dich bei dem Anblick, der sich deinen Augen bietet. Von der Sohle bis zum Scheitel bist du krank. Alle Völker, zu denen der Herr dich führt, wenden sich entsetzt von dir ab, sagen Spottverse über dich auf und stimmen Hohngelächter an. Viel Saatgut trägst du aufs Feld, aber du erntest wenig. Das andere hat die Heuschrecke gefressen. Alle diese Verfluchungen werden über dich kommen, dich verfolgen und dich erreichen, bis du vernichtet bist. Für immer werden sie als Zeichen und Wunder an dir und an deinen Nachkommen haften. Hunger und Durst wirst du leiden, nackt sein und nichts mehr haben. Er legt dir ein eisernes Joch auf den Nacken, bis er dich vernichtet hat. Der Herr trägt zum Kampf gegen dich ein Volk aus der Ferne herbei, von den Enden der Erde, das wie ein Adler herabstößt, ein Volk, dessen Sprache du noch nie gehört hast, ein Volk mit unbeweglichem Gesicht, das sich dem Greis nicht zuwendet und für das Kind kein Mitleid zeigt. Es belagert dich in allen Städten, bis die Mauern fallen. Auch alle Krankheiten und Schläge, die nicht in der Urkunde dieser Weisung aufgezeichnet sind, wird der Herr über dich bringen, bis du vernichtet bist. Dann werden nur noch wenige Leute von euch übrig bleiben, statt dass ihr zahlreich seid wie die Sterne am Himmel; denn du hast nicht auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, gehört. So wie der Herr seine Freude daran hatte, euch Gutes zu tun und euch zahlreich zu machen, so wird der Herr seine Freude daran haben, euch auszutilgen und euch zu vernichten. Am Morgen wirst du sagen: Wenn es doch schon Abend wäre, und am Abend: Wenn es doch schon Morgen wäre, um dem Schrecken zu entfliehen, der dein Herz befällt, und dem Anblick, der sich deinen Augen bietet.“
Freitag, 8. April 2011, 09:44 Uhr

Jizchok Leib Perez

. — Im Alter von 64 Jahren starb Jizchok Leib Perez am 3. April 1915 in Warschau. Zu seiner Beerdigung, weiß Wikipedia, versammelten sich mehr als 100.000 Menschen: ein Protest, um auf die Unterdrückung der jüdischen Bevölkerung in Polen aufmerksam zu machen.
Donnerstag, 7. April 2011, 21:56 Uhr+1

Dialoge XV

. — „Sie hatten recht mit dem Wetter. Ein herrlicher Morgen.“ – „Ganz entschieden, Sir.“ – „Frühling und so. Vom Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick...“ – „Das entspricht auch meiner Kenntnis, Sir.“ – „Wohlan denn, bringen Sie mir meinen Bambusstock, meine allergelbsten Schuhe und den grünen Hombug. Ich gehe in den Park, ein Hirtentänzchen machen.“ (In: P. G. Woodhouse, Der unvergleichliche Jeeves)
Donnerstag, 7. April 2011, 08:01 Uhr+1

Lotter

. — „Ich gehe gerne Begriffen auf den Grund“, berichtet Wolf Lotter im Journalist, „ich frage mich, was sie ursprünglich bedeutet haben und wie die Gesellschaft sie heute versteht.“
Mittwoch, 6. April 2011, 11:13 Uhr+1

Seufz

. — „I don’t want you to change. I know you’re screwed up. I know you are always going to be screwed up. But you’re the most incredible man I’ve ever known. You are always going to be the most incredible man I have ever known.“ – Cuddy zu House. In: House 7, 1.
Montag, 4. April 2011, 14:00 Uhr+1

Autarkie

. — Yippieh, Brennstäbe heute angekommen. Schnäppchen, nukleare Freunde und Freude. Beweisfoto zur schalen Pointe im Kommentar.
Freitag, 1. April 2011, 14:09 Uhr

Lähmung

. — Vor mehr als zehn Jahren schrieb Herr N. in einer Rezension zu einem Roman von A. F. Th. van der Heijden: „Je mehr ihm genom­men wird, desto mehr trägt er mit sich herum. Die Vergangenheit macht das Leben schwer und Albert erwachsen. Ein durchaus beklagenswerter Prozess.“

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