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Nolls Marginalien

 

Nolls Passage

August 2009September 2009
Montag, 31. August 2009, 18:18 Uhr+1

Aufrichtigkeit

. — Geschrieben in einem Wörterbuch: Aufrichtig ist derjenige, welcher freiwillig und unaufgefordert seine Gesinnung zu erkennen gibt. – Arschlöcher heiße ich die Unaufrichtigen.
Samstag, 29. August 2009, 12:11 Uhr

Der freie Geist

. — „Er blickt dankbar zurück“, bemerkt Nietzsche, „dankbar seiner Wanderschaft, seiner Härte und Selbstentfremdung, seinen Fernblicken und Vogelflügen in kalte Höhen.“
Samstag, 29. August 2009, 08:43 Uhr

Der halbierte Storch

. — Alexander Moszkowski: „Es würde sich verlohnen, einmal die Geschichte der Froschplagen im Zusammenhang zu schreiben. Historisches Material ist genug vorhanden, und aus alten Berichten ergibt sich, daß der Frosch keineswegs als eine harmlose Kreatur zu gelten hat. (...) Aber auch in Mitteleuropa ganz in unserer Nähe hat es eine Froschplage gegeben, und da ich der einzige bin, der sie studierte, will ich davon erzählen. (...) Jede Ortschaft des Kreises hat ihre genaue Einwohnerzahl zu ermitteln und für je 200 Köpfe einen Storch von der Oberstorchkommission zu verlangen. Prompt und ohne Stockung wurde die Ordre befolgt. Die rationierten Störche langten an ihren Bestimmungsorten an, so und soviel pro Gemeinde, sie entwickelten einen fabelhaften Appetit, und die Frösche der beteiligten Distrikte hatten alle Ursache, ihr trauervolles Requiem zu quaken. Nur bei einer Ortschaft, der kleinsten von allen, haperte es. Das Dörfchen Klein-Niedermupkewitz nämlich ermittelte eine Bevölkerungszahl von genau 100 Seelen. Und der Dezernent entschied ganz folgerichtig: Dieser Flecken hat einen halben Storch zu beanspruchen. Man konnte da rechnen und dividieren so viel man wollte, das Resultat blieb unabänderlich: Null Komma fünf, gleich ein halber Storch. Sogleich erhoben sich neue Probleme: Wie sollte der Storch geteilt werden? der Länge oder der Quere nach? Welche Hälfte sollte man dem Flecken überweisen? und was geschah mit der anderen Hälfte? Ein sittlich nicht ganz gefestigter Storch-Assessor schlug vor, dieser Gemeinde einen ganzen Storch zu spendieren, da ein halber schwerlich in der Lage sein würde, das verlangte Froschvertilgungsgeschäft zu bewältigen. (...) Schließlich entschied Dr. Bürokratius: Der Gemeinde Klein-Niedermupkewitz wird hierdurch aufgegeben, ihren Bevölkerungsstand zu verdoppeln. Sobald sie die vorschriftsmäßige Zahl von 200 Köpfen erreicht haben wird, erhält sie einen kompletten Storch. Von Statuts wegen. Da die Ortschaft über einen gesunden und kräftigen Menschenschlag verfügt, so wird sie die gestellte Aufgabe etwa bis zur Mitte des Jahrhunderts erfüllen können. Freilich wird sich die Zahl der Frösche bis dahin auf rund 17 Billionen erhöht haben; und zu deren Vertilgung werden dann mindestens drei Milliarden Störche erforderlich sein.“
Sonntag, 23. August 2009, 10:37 Uhr

Wichtigkeit des Beklagens

. — Daran erinnert Johann Gottlieb Fichte: „Solange keiner klagt, ist anzunehmen, dass alles seinen gehörigen Gang gehe.“
Freitag, 21. August 2009, 21:59 Uhr

Rechthaber III

. — „Aber an weiblicher Lust nährt sich der männliche Geist.“ — „Wenn die Sinne der Frau schweigen, verlangt sie den Mann im Mond.“
Freitag, 21. August 2009, 12:24 Uhr

Rechthaber II

. — „Das Leben ist eine Anstrengung, die einer besseren Sache würdig wäre.“ — „Die Außenwelt ist eine lästige Begleiterscheinung eines unbehaglichen Zustands.“ — „Ich und das Leben: Die Affäre wurde ritterlich ausgetragen. Die Gegner schieden unversöhnt.“
Freitag, 21. August 2009, 12:22 Uhr

Rechthaber

. — „Aussprechen, was ist – ein niedriger Heroismus. Nicht dass es ist, sondern dass es möglich ist: darauf kommt es an. Aussprechen, was möglich ist!“ Wie immer hat er Recht, der Karl Kraus.
Freitag, 21. August 2009, 11:33 Uhr

Verdinglichungsbild

. — Karl Kraus, Pro Domo et Mundo: „Der Fortschritt macht Portemonnaies aus Menschenhaut.“
Sonntag, 16. August 2009, 22:20 Uhr

Verliebt, Fiktion

. — Sah mich an, krauste die Nase und kniff die Augen zusammen und sagte: „Ich weiß, wo der Hase begraben liegt.“ Ich lachte und war verliebt. – Nein, Fiktion. Aber schlendern und vögeln ist immerhin eine Alternative.
Sonntag, 16. August 2009, 12:17 Uhr

Esprit d’escalier

. — Fragte man dennoch, was das Leben sei, ich antwortete: eine Ansammlung von Treppenwitzen, auch das, auch das. Abgang, murmelnd.
Samstag, 15. August 2009, 18:09 Uhr

Wollte nicht

. — „Irgend etwas in mir, in der Tiefe des Herzens, wollte nicht sterben, es wollte nicht sterben und blieb als brennende Sehnsucht.“ – Fjodor M. Dostojewski, Aufzeichnungen aus einem Kellerloch. — Und Sie, Sie sind keine Idiotin, Sie sind wunderbar.
Donnerstag, 13. August 2009, 22:27 Uhr

Herrschaftszeiten

. — Lichtenberg protokolliert: „Mit größerer Majestät hat noch nie ein Verstand stillgestanden.“
Donnerstag, 13. August 2009, 12:14 Uhr

Wertschätzung

. — „Alles, was in dieser Welt der Mühe lohnt, ist das eigene Ich“, schrieb Stendhal am 21. März 1818.
Sonntag, 9. August 2009, 01:04 Uhr

Leaving Las Vegas

. — Chicks, Clowns and Roses. Nicht zu sehen: Kehraus, duotone Dokumention würdiger Szenen.

CSD u. Dom
Freitag, 7. August 2009, 16:14 Uhr

Hendelibo II

. — Na gut. Nicht erste Person Singular, weil mir hendelibare zu dicht an Hühnern und am Komponisten wäre. Also als Substantiv: das Hendelibo: der Wille, sich trotz verquerter Welt zu behaupten.
Samstag, 1. August 2009, 12:35 Uhr

Fanfärchen

. — Ziele, willkommene Erinnerung von Wildes Oscar: „Seine eigene Natur vollkommen zu verwirklichen – dafür ist jeder von uns da.“
Samstag, 1. August 2009, 12:07 Uhr+1

Fanfare

. — Darf ich Ihnen mitteilen, die Antwort auf die mürbende Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lebens bei William Shakespeare vorgefunden zu haben: Life’s but a walking shadow, a poor player / That struts and frets his hour upon the stage / And then is heard no more: it is a tale / Told by an idiot, full of sound and fury, / Signifying nothing.

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