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Nolls Marginalien

 

Nolls Passage

Donnerstag, 14. November 2002, 16:09 Uhr<  >

Geistige Bondage

. — Wenn warmer, trockener Wind in den Blättern raschelt, wirbelnde Hufe in der Sonne blinken und auf blütenweißen Tüchern sich appetitlich garnierte Speisen befinden, wenn die alte Fürstin so betroffen ist, dass sie fast ihr Sherryglas umgestoßen hätte und der junge Oberarzt kaum seine Bestürzung verbergen kann, wenn aufregende Erlebnisse und wunderbare Erleichterungen sich pausenlos die Hand geben, dann sind Sie bereits mittendrin: in einer Welt, wo Honig von den Bäumen tropft, wo Phrasen und Klischees den Geist nicht nur beleidigen, sondern womöglich sogar nachhaltig beschädigen. Schon die Serientitel der am Kiosk zu erwerbenden Groschenromane taugen dazu, einen empfindsamen Ästheten in die Ohnmacht zu zwingen: „Landarzt Dr. Fabian. Ein Dorf, seine Menschen und ihr Doktor“, „Chefarzt Dr. Cornelius“ und „Notruf an Dr. Kersten“. Da verspricht eine Serie wöchentlich „Sonne, Strand & Gute Laune“ und eine andere „Intrigen, Liebe, Glanz und Gloria“. Am liebsten sind mir da noch die so genannten Berg- und Heimatromane, mit so feschen Titeln wie: „Ich kauf’ mir heute eine Braut“ oder „Das Wildern lag ihm im Blut“. Hier wird noch munter geschwatzt, der Schurke vom Blitz niedergestreckt und für das Ende einer Liebschaft reicht der Hinweis, „dass das Tischtuch zwischen ihnen zerschnitten war“... – Wie der Trivialroman das Leben korrumpiert: Potpourri nebst Kritik. Essay von Jörg A. Noll. 8800 Zeichen.
Montag, 10. November 2003, 17:42 Uhr > Wolf >
So korrupt ist eben das triviale Leben

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