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Nolls Marginalien

 

Nolls Passage

Samstag, 2. Januar 2010, 17:04 Uhr<  >

Diaspora VI

. — „Sie stehen eine Weile da und betrachten die Kühe. Landsman bekämpft den Drang, sich gegen den elektrischen Zaun zu lehnen. In ihm ist ein närrischer Teufel, der das Rasseln des Stroms spüren will. In ihm ist ein Strom, der den Teufel im Draht spüren will. Etwas stört ihn, nagt an ihm, etwas an dieser Vision, diesem Crocker Land der Kühe. Wie wirklich es auch sein mag, es ist unmöglich.“ – „Ein Messias, der tatsächlich kommt, nutzt niemandem. Eine erfüllte Hoffnung ist schon eine halbe Enttäuschung.“ – „Der dumme Kojotenglaube, der einen in der Luft hält, solange man sich selbst einredet, fliegen zu können.“ — Chabon, Die Vereinigung jiddischer Polizisten.
Samstag, 2. Januar 2010, 21:20 Uhr > Chinaski >
Ob eine erfüllte Hoffnung eine halbe Enttäuschung oder eine langersehntes und erfreuliches Ereignis ist, ist ganz und gar vom Grad der Verzweifelung abhängig. Für Menschen die Luxusprobleme haben, ist deine Einschätzung komplett richtig. Die hoffen in der Hoffnung dass die Hoffnung nicht erfüllt wird. Für die Menschen die wirklich wissen was Verzweifelung heisst, die wirklich auf Erfüllung ihrer Hoffnungen angewiesen sind, ist die Erfüllung dieser Hoffnungen ein Segen, vielleicht sogar eine wichtige Grundlage weitermachen zu können. Deshalb ist es so verdammt Unmenschlich und Hinterhältig grade die Menschen auf Messias warten zu lassen bzw. Ihnen weis zu machen dass es den Messias gibt, die an diese Hoffnung hängen, die eine Erfüllung ihrer Hoffnungen bitter nötig haben.
Samstag, 2. Januar 2010, 21:36 Uhr > Noll >
Prosit Neujahr, werter Herr. – Es ist nicht meine Einschätzung, sondern ein Zitat. Und wenn eine Hoffnung, eine erfüllte sogar, jemanden hilft, ist das fraglos gut. Das Ärgerliche ist nur, dass es Verzweiflung überhaupt gibt, dass diese Hoffnungen meist trügen, dass die Welt schrecklich defizitiär daherkommt. Hm, mit Kafka: Gelegenheit für eine kleine Verzweiflung, fiel ihm ein, und er legte das Gesicht in beide Hände. – Hmpf, möge es ein gutes Jahr werden!
Samstag, 2. Januar 2010, 21:58 Uhr > Chinaski >
Dann musst du mich entschuldigen. Ich find ich das Zitat nicht so toll, ganz egal wer dahinter steckt.Auch dir wünsch ich ein schönes neues Jahr obwohl ich in der Hinsicht nicht so sentimental bin und auch keine Illusionen habe. Um ehrlich zu sein, erwidere ich die Neujahrsglückwünsche wie ein Automat, ich machs weil ich noch ein Rest von unlogisches Gefühl der Unhöflichkeit besitze, was mich dazu drängt dieses Spielchen dennoch weiterzuspielen. In Wahrheit gibt es für mich keine Jahre, sondern nur Tage die mit zunehmenden Alter gleichverlaufen mit den allseits bekannten Höhen und Tiefen die eben dazugehören. und meine Glückwünsche haben nie die Realitäten des Lebens verändert und keinem bislang weitergeholfen. Gruss
Sonntag, 3. Januar 2010, 10:26 Uhr > Noll >
Stimmt wohl, dass Höflichkeit mitunter sinnlos ist, eine Floskel, in ihrer Unaufrichtigkeit und Sinnlosigkeit sich selbst erledigend, aber manchmal mag die höfliche Wendung auch herzlich intendiert sein, kein leeres Ritual darstellen, vermag sie den Adressaten zu erfreuen, indem sie signalisiert, dass da jemand ist, der einen mag und schätzt, man wenigstens diesem Menschen nicht gleichgültig ist. Das mag sentimental sein, seltsam zudem, dass es an dubiosen Stichtagen geschieht, aber immerhin ist es doch, kann es sein, eine aufrichtige Bekundung, eine Versicherung, dass man nicht gänzlich alleine ist. Womöglich würden solche Bekundungen ohne Anlass den Empfänger sogar verwundern, beunruhigen? Wie auch immer. Jedenfalls freute es mich etwa, dass Herr S. aus Innsbruck mir schrieb zum Neujahr. Und ich bin geneigt, Ihren Wunsch als aufrichtige Bekundung zu verstehen, wie Ihnen meiner herzlich begegnet. So dass die Wünsche auch Anerkennung, Ermunterung, Teilnahme, Trost und Respekt bedeuten, bedeuten können. Diese Höflichkeit wird damit zum Vehikel, besondere Personen (Buk, Sie, vielleicht sogar mich) wenigstens kurzfristig mittelbar mit der Welt zu versöhnen, die Diskrepanz etwas zu verringern. Azoy gait es.

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