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Nolls Marginalien

 

Nolls Passage

Januar 2010Februar 2010
Donnerstag, 21. Januar 2010, 17:29 Uhr+1

Keine Mietze

. — Unlängst auf dem Kiez, irgendeine Kaschemme. „Ich würde dir gerne“, hub Freundin B. an, „zu deinem nächsten Geburtstag eine Katze schenken.“ Was? Sie strahlt erwartungsfroh. Fassungsloses Gesicht meinerseits. „Spinnst du?“ fragte ich. Katze? Signet für Verlierer. Ich bin erledigt. Möchte keine Katze. Aus der Jukebox ödelt etwas von der Unerschütterbarkeit der Seeleute. Ich drehe die Bierflasche zwischen den Händen, die Kellnerin rückt an und fragt ob das Bier zu kalt sei. Nächste Bar: Meine Begleiterin schüttelt den Kopf und bekundet, die Bedienung sei zu jung für mich. Ich bringe sie zum Taxi. Dann noch drei Affen, die mir den Rest verabreichen. Doch, lustig, abgesehen von den Beulen und dem Kater.
Mittwoch, 6. Januar 2010, 17:44 Uhr

Hölderlin, Hyperion

. — „Aber es ist ein Zeichen der Zeit, dass die alte Heroennatur um Ehre betteln geht und das lebendige Menschenherz, wie eine Waise, um einen Tropfen Liebe sich kümmert.“
Sonntag, 3. Januar 2010, 16:41 Uhr+3

Stranger than Paradise

. — Wir leben in der seltsamsten aller möglichen Welten. Es schneit, gewaltige Flocken, er schreitet, gewichtigen Schrittes, auf den Afrikaner zu, legt den Arm um ihn und trötet ihm ins Ohr: „Da, Bimbo, schaust her. Weißt was das ist? Das ist Schnee. Weißte das?“ – Und ich? Should I put a spell on you? A biseleh.
Samstag, 2. Januar 2010, 17:04 Uhr+4

Diaspora VI

. — „Sie stehen eine Weile da und betrachten die Kühe. Landsman bekämpft den Drang, sich gegen den elektrischen Zaun zu lehnen. In ihm ist ein närrischer Teufel, der das Rasseln des Stroms spüren will. In ihm ist ein Strom, der den Teufel im Draht spüren will. Etwas stört ihn, nagt an ihm, etwas an dieser Vision, diesem Crocker Land der Kühe. Wie wirklich es auch sein mag, es ist unmöglich.“ – „Ein Messias, der tatsächlich kommt, nutzt niemandem. Eine erfüllte Hoffnung ist schon eine halbe Enttäuschung.“ – „Der dumme Kojotenglaube, der einen in der Luft hält, solange man sich selbst einredet, fliegen zu können.“ — Chabon, Die Vereinigung jiddischer Polizisten.
Samstag, 2. Januar 2010, 16:55 Uhr

Metablogger XXXIV

. — „Sie halten gerne Monologe?“ – „Mal so, mal so.“ – „Litaneien.“ – „So wurde das auch schon genannt.“ — Chabon, Die Vereinigung jiddischer Polizisten.
Samstag, 2. Januar 2010, 16:35 Uhr

Diaspora V

. — „Die Zukunft“, sagt Landsman. „Was meinst du damit, fliegende Autos? Hotels auf dem Mond?“ – „Ich meine deine Zukunft, Meyer.“ – „Fliegst du mit mir zum Mond, Bina? Hab gehört, da nehmen sie noch Juden.“ – „Auf Wiedersehen, Meyer.“ (Chabon, Vereinigung jiddischer Polizisten) — Was schön wäre, not täte: ein Wörterbuch jiddischer Flüche. Azoy gait es!
Samstag, 2. Januar 2010, 15:02 Uhr

Diaspora IV

. — „Guck dich an, Landsman, du siehst aus wie eine Ruine.“ – „Ich weiß.“ – „Ich habe gehört, dass es dir schlecht geht, aber ich dachte, man wollte mich bloß aufheitern.“ – Er lacht und wischt sich mit dem Ärmel über die Wange. — „Bitte, Berko, fang jetzt nicht plötzlich an, meine Meinung zu respektieren, nicht nachdem ich mich so lange bemüht habe, das zu verhindern.“ — „Sein Gesicht zeigt keine Spur von Argwohn, aber Landsman kann sehen, an welchen Stellen sie sorgfältig ausradiert wurden. — „Aber irgendein Defizit gab es immer, nicht wahr? Zwischen der Vereinigung, die sich der Heilige Eine vorstellte und der realen Situation unter der Chuppa. Zwischen Geboten und deren Einhaltung, zwischen Himmel und Erde, Mann und Weib, Zion und Jude. Dieses Defizit nennt man die Welt. Erst mit der Ankunft von Messias würde diese Bresche geschlossen werden, würden alle Trennungen, Unterscheidungen und Zwischenräume in sich zusammenfallen. Bis dahin vermochten nur Funken, helle Funken, diese Schlucht zu überspringen wie zwischen elektrischen Polen. Und der Mensch musste dankbar sein für ihr flüchtiges Licht.“ — Michael Chabon, Die Vereinigung jiddischer Polizisten. – Lesenswert, schöne Symbiose aus Singer und Chandler.

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