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Nolls Marginalien

 

Nolls Passage

Januar 2011Februar 2011
Samstag, 29. Januar 2011, 21:14 Uhr

Die Ritter

. — Nochmal der ausgezeichnete Aristophanes: „ERSTER SKLAVE: Wie geht’s dir, Armer? – ZWEITER SKLAVE: Mir? Schlecht wie dir! – ERSTER SKLAVE: Komm her, so wollen wir zweistimmig heulen des Olympos Weise. – BEIDE: Hü, hü, hü, hü, hü, hü, hü! – ERSTER SKLAVE: Was hilft das Flennen! Lass uns lieber auf Rettung sinnen statt zu wimmern. – ZWEITER SKLAVE: Was tun? – ERSTER SKLAVE: Sag an!“
Samstag, 29. Januar 2011, 20:59 Uhr

Blogblatt: Buch & Satz

. — Fortan feilgeboten auf Blogblatt.de: Bücher & Satzservice. – Den Auftakt bilden: , eine Auswahl dieses Blogs, sowie , ein Bestimmungsversuch in 69 Thesen.

Blogblatt.de: Bücher & Satzservice
Freitag, 28. Januar 2011, 11:12 Uhr

Die Demütigung III

. — Dialoge XIV: „Schlag mich.“ – Er tat es, und sie sagte spöttisch: „Fester kannst du nicht?“ – „Dein Gesicht ist schon ganz rot.“ – „Fester“, sagte sie. – „Na gut, aber warum?“ – „Weil ich es dir erlaube. Weil es weh tut. Weil ich mich dann wie ein kleines Mädchen und eine Hure fühle. Fester. Na los.“
Freitag, 28. Januar 2011, 10:44 Uhr+1

Die Demütigung II

. — „Es ist vorbei“, sagte sie am Frühstückstisch. Sie saßen einander gegenüber, auf denselben Stühlen wie vor Monaten, als sie ihm gesagt hatte, sie seien das Wagnis längst eingegangen. – „Was ist vorbei?“ fragte er. – „Das hier.“ – „Aber warum?“ – „Es ist nicht das, was ich will. Ich habe einen Fehler gemacht.“ – So abrupt begann das Ende, und es gipfelte etwa eine halbe Stunde später darin, dass Pegeen mit ihrer gepackten Reisetasche an der Tür stand und Axler weinte.
Freitag, 28. Januar 2011, 10:38 Uhr+1

Die Demütigung

. — Erneut Philip Roth, erneut glorios: „Dennoch sagte Axler, zu ihrer wie auch seiner eigenen Überraschung, eines Morgens beim Frühstück: „Ist das etwas, das du wirklich willst, Pegeen? Bis jetzt haben wir einander genossen, das Neue war sehr stark, das Gefühl war sehr stark, der Genuss war sehr stark, aber ich frage mich, ob du weißt, was du tust.“ – „Ja, das weiß ich. Ich finde es herrlich“, sagte sie, „und ich will nicht, dass es aufhört.“ – „Aber du verstehst, was ich meine?“ – „Ja. Aber nichts davon stört mich. Stört dich etwas?“ – „Wäre es vielleicht gut“, antwortete er, „aufzuhören, solange noch keine Herzen gebrochen sind?“ – „Bist du nicht glücklich?“ fragte sie. – „In den vergangenen Jahren war mein Leben gefahrlich instabil, und ich fühle mich nicht stark genug, die Zerstörung meiner Hoffnungen auszuhalten. Ich habe genug Elend erlebt. Es ist immer schmerzhaft, es ist immer hart, und in dieser Phase meines Lebens will ich so etwas nicht heraufbeschwören.“ – „Simon, wir sind beide fallen gelassen worden“, sagte sie. „Wenn wir scheitern, dann wegen uns, nicht wegen ihnen und nicht wegen deiner oder meiner Vergangenheit. Ich will dich nicht ermuntern, ein Wagnis einzugehen, und ich weiß, dass es ein Wagnis ist. Für uns beide übrigens. Aber das Schlimmste, was mir passieren könnte, wäre, dass du dich von mir zurückziehst. Ich könnte es nicht ertragen, dich zu verlieren. Wenn es sein muss, werde ich es ertragen müssen, aber was das Wagnis betrifft – das bin ich längst eingegangen. Wir sind es längst eingegangen. Es ist zu spät, um sich durch Rückzug zu schützen.“ – „Du willst damit sagen, dass du nicht aufhören willst, solange es so gut läuft?“ – „Genau. Ich will dich, verstehst du. Ich baue darauf, dass ich dich habe. Zieh dich nicht von mir zurück. Ich finde es herrlich und will nicht, dass es aufhört. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Ich kann nur sagen: Ich werde es versuchen, wenn du es auch versuchst. Das hier ist keine kleine Affäre mehr. Wir sind das Wagnis eingegangen.“ – „Fünf Worte mit der Bedeutung, dass es für sie das Schlimmste wäre, von ihm fallen gelassen zu werden. Sie wird sagen, was sie sagen muss, um es am Laufen zu halten. Sie wählt diesen Kurs nicht, um mich zu täuschen – sie folgt einer instinktiven Strategie. Aber irgendwann wird der Tag kommen, dachte Axler, da die Umstände sie in eine stärkere Position versetzen werden, während ich in der schwächeren sein werde, schon allein deshalb, weil ich zu unentschlossen war, die Beziehung zu diesem frühen Zeitpunkt zu beenden. Und wenn sie stark ist und ich schwach bin, wird der Schlag vernichtend sein.“
Donnerstag, 27. Januar 2011, 18:18 Uhr

Die Morgenröthe

. — „Freund, was sollen die Thränen, die von der Wange dir schleichen? / Was soll schweigender Gram hier an dem Becher der Lust? / Bist du der Einzige denn, den trügende Liebe gekränkt hat? / Du der Einzige, den Amor mit Qualen belohnt? / Trink und vergiss den Gram. Blick auf! Dort steiget Aurora / aus den Wellen; wer weiß, ob wir den Hesperus schaun.“ (Johann Gottfried Herder)
Donnerstag, 27. Januar 2011, 18:13 Uhr

Die einseitige Liebe

. — Nochmal Herr Herder: „Konntest mit einer Flamme du nicht zwei Herzen entzünden, Liebe, so nimm sie auch mir oder verbrenne mich ganz.“
Donnerstag, 27. Januar 2011, 18:10 Uhr

Aristophanes, Herder

. — „Einen Tempel, der nimmer zerfiele, suchten der Anmuth / Schwestern und fanden ihn in Aristophanes Geist.“ (Johann Gottfried Herder)
Donnerstag, 27. Januar 2011, 17:55 Uhr+1

Der Kabbalist vom Broadway V

. — „Woraus waren Leid und Scham, die Oser jetzt empfand, gemacht? Worauf beruhten die Worte von Jesaja, Lessing, Mendelssohn, Reb Nachman Krochmal, wenn alles Seiende eine Zusammensetzung von Atomen ist? Irgendwo stimmte Oser Mecheles Rechnung nicht, aber wo lag der Fehler? Konnte er wieder fromm werden? Kann man überhaupt von Gut und Böse sprechen, wenn es keinen Gott gibt, keine Offenbarung? Oser Mecheles schloss seine Augen. Er schlief nicht, aber er war auch nicht wach. Eine Schwere drückte auf sein Herz und lag dort wie ein Gewicht. Ihm war kalt, als sei es Winter. Er fühlte sich wie ein Trauernder: Er musste Schiwe sitzen für seine eigenen Illusionen.“
Donnerstag, 27. Januar 2011, 17:46 Uhr

Der Kabbalist vom Broadway IV

. — Trägheit III: „Ich vergeudete meine Zeit mit Träumen und Sorgen und leeren Phantastereien, und verstrickte mich in Sachen, die keine Zukunft hatten.“ — Trägheit IV: „Das ist doch ganz gleich. Wichtig ist nur, dass wir keine Verantwortung tragen, weder uns noch anderen gegenüber. Das Geheimnis des Universums ist Apathie, Gleichgültigkeit. Die Sonne, die Erde, die Felsen, sie alle sind gleichgültig, und das ist eine Art passive Kraft. Vielleicht sind Gleichgültigkeit und Schwerkraft das gleiche.“
Donnerstag, 27. Januar 2011, 17:38 Uhr

Der Kabbalist vom Broadway III

. — „Aksa rief sich das jiddische Sprichwort in Erinnerung: Wenn du nicht über den Zaun springen kannst, kriech unten durch. Sie hatte die zukünftige Welt verloren; deshalb entschloss sie sich, die Lustbarkeiten dieser Welt zu genießen. Am Abend rief sie nach dem Teufel und war bereit, mit ihm einen Pakt zu schließen, wie es viele vernachlässigte Frauen vor ihr getan hatten. Einmal, mitten in der Nacht, fühlte sie einen kalten Kuss auf ihren Lippen. Im Schein des späten Mondes sah sie eine nackte männliche Gestalt – groß und schwarz, mit langen Elfenlocken, den Hörnern eines Bocks und zwei vorstehenden Hauern, wie die eines Ebers. Die Gestalt beugte sich über sie und flüsterte. Was befiehlt meine Herrin? Sie darf die Hälfte meines Königreiches verlangen. Sein Körper war so durchsichtig wie ein Spinnweb. Er stank nach Pech. Aksa wollte sagen: Du, mein Sklave, komm und nimm mich. Stattdessen murmelte sie: Meine Großeltern. Der Teufel brach in Lachen aus. Sie sind Staub.Du hast mich betrogen?Ich bin ein Betrüger, antwortete der Teufel, und kicherte. Wo ist die Wahrheit? fragte Aksa. Die Wahrheit ist, dass es keine Wahrheit gibt. Der Teufel verweilte noch ein wenig und verschwand dann. Den Rest der Nacht schlief Aksa nicht, noch war sie wach. Sie hörte Stimmen. Ihre Brüste schwollen an, die Warzen wurden hart, ihr Leib dehnte sich aus. Schmerz bohrte sich in ihren Schädel.“
Donnerstag, 27. Januar 2011, 17:32 Uhr

Der Kabbalist vom Broadway II

. — „Wie konnte der Unendliche, der ja allen Raum ausfüllt, das Weltall erschaffen, da es doch, wie der Sohar es ausdrückt, keinen Raum gibt, der von Ihm nicht erfüllt wäre. Rabbi Chajim Vital gab die Antwort: Vor der Schöpfung waren die Eigenschaften des Allmächtigen denkbar, aber nicht vorhanden. Wie könnte einer König sein ohne Untertanen, und wie kann es Gnade geben, ohne jemanden, sie zu empfangen?“
Donnerstag, 27. Januar 2011, 17:24 Uhr+1

Der Kabbalist vom Broadway

. — „Reb Mordechai Meir wollte denjenigen, der die Befehle erteilte, fragen, warum man ihn verhaftete, aber er konnte weder Polnisch noch Russisch sprechen. Außerdem, was würde es nutzen, zu fragen? Der Zivilist nahm ihn beim einen Arm, der Polizist beim anderen, und sie führten ihn die dunkle Treppe hinunter. Der Pförtner öffnete das Tor. Ein kleiner Wagen mit vergitterten Fenstern wartete draußen. Sie halfen Reb Mordechai Meir hinein und setzten ihn auf eine Bank. Einer der Polizisten setzte sich neben ihn. Langsam fuhr der Wagen an. Gut, ich stelle mir vor, dass ich zu meiner eigenen Beerdigung fahre, sagte sich Reb Mordechai Meir. Es wird doch keiner Kaddisch für mich sagen. Eine seltsame Ruhe kam über ihn und die völlige Ergebung, die ein so großes Unglück begleitet, dass man weiß, etwas Schlimmeres kann nicht mehr geschehen. Vorher, als sie Fulies Leiche brachten, hatte er in Gedanken aufbegehrt, aber jetzt bereute er seinen Groll. Vater im Himmel, vergib mir. Er dachte an das Wort aus dem Talmud: Niemand wird für Worte bestraft, die in äußerster Verzweiflung gesprochen wurden.“ (Isaac B. Singer)
Donnerstag, 27. Januar 2011, 17:13 Uhr

Ansichten eines Clowns III

. — „Wenn unser Zeitalter einen Namen verdient, müsste es Zeitalter der Prostitution heißen. Die Leute gewöhnen sich ans Hurenvokabularium. Ich traf Sommerwild einmal nach einer Diskussion und er fragte mich: War ich gut? Fanden Sie mich gut? Wortwörtlich Fragen, wie sie Huren ihren abziehenden Freiern stellen.“ Abschließend: „Selbst dieser Weg, mich von der Barmherzigkeit käuflicher Liebe erlösen zu lassen, war mir verschlossen: Ich hatte kein Geld.“
Donnerstag, 27. Januar 2011, 17:07 Uhr

Ansichten eines Clowns II

. — „Seine Frau ist auf jene Art hübsch, dass man nicht weiß, ob sie lebendig ist oder nur aufgezogen. Ich war die ganze Zeit über, während ich neben ihr saß, versucht, sie bei den Armen oder bei den Schultern zu packen, oder an den Beinen, um festzustellen, ob sie nicht doch eine Puppe war. Alles, was sie zur Konversation beitrug, bestand aus zwei Ausdrücken Ach, wie hübsch und Ach, wie scheußlich. Ich fand sie erst langweilig, war aber dann fasziniert und erzählte ihr allerlei, so wie man Groschen in einen Automaten wirft – nur um herauszubekommen, wie sie reagieren würde...“
Donnerstag, 27. Januar 2011, 17:01 Uhr

Ansichten eines Clowns

. — „Wenn ich mir vorstelle, dass es Clowns gibt, die dreißig Jahre lang dieselben Nummern vorführen, wird mir so bang ums Herz, als wenn ich dazu verdammt wäre, einen ganzen Sack Mehl mit einem Löffel leerzuessen.“ (Heinrich Böll)
Donnerstag, 27. Januar 2011, 16:57 Uhr

Umkehrung

. — Metablogger XLVI: „Die Berge neigen sich. / Vor meiner Türe kehre ich / den Unsinn. // Die Brücke bewegt sich. / Vor meiner Türe kehre ich / den Sinn. // Ich beuge mich vor den Bergen. / Ich gehe über die Brücke. / Rede mit mir. // Stehe vor meiner Türe. / Sinn und Unsinn fegen mich weg. / Ich bin noch da.“ (Eva van Hoboken)
Freitag, 21. Januar 2011, 20:44 Uhr

Sport? Weisheit

. — „Es ist ungerecht“, so Xenophanes, „Stärke der Weisheit vorzuziehen. Denn wenn auch ein tüchtiger Faustkämpfer im Volke wäre, so wäre doch die Stadt nicht in besserer Ordnung.“
Samstag, 15. Januar 2011, 09:37 Uhr

Zerstörungen

. — Leben bedeutet Sterben? Jeden Tag etwas. Manchmal etwas mehr. Die Martyrien, die von Süße und Frosch ausgingen, immer noch vermissend, waren Zerstörungen großen Ausmaßes.
Freitag, 14. Januar 2011, 19:13 Uhr

Menschheit

. — „Er ist für mich der einzige, dem ich immer glauben kann.“ Scharwenzelte Tabori. Gemeint ist Kafka. Niemand sonst.
Donnerstag, 13. Januar 2011, 11:08 Uhr

Metablogger XLV

. — Blogs bilden einen Kontrapunkt zur versifften Melodie, die gemeinhin als Leben annonciert wird.
Mittwoch, 12. Januar 2011, 17:27 Uhr

Verfehlte Schöpfung

. — „Alles reduziert sich schließlich auf die Begierde und die Abwesenheit von Begierde. Der Rest ist Nuance.“ – Emil Cioran, Die verfehlte Schöpfung.
Mittwoch, 5. Januar 2011, 07:34 Uhr

The Power

. — „There is only one Phil Taylor“, singsangen seine Fans, „one Phil Taylor, walking along, singing a song, walking in the Taylorwonderland.“
Samstag, 1. Januar 2011, 13:03 Uhr

Portnoys Beschwerden III

. — Metablogger XLIV. – „Wichskünstler aller Länder, vereinigt euch! Ihr habt nichts zu verlieren als euren Verstand!“
Samstag, 1. Januar 2011, 12:56 Uhr

Portnoys Beschwerden II

. — „Als wir, wieder in ihrem Appartment, ins Bett gingen, sagte Sally: Alex... ich tu’s.“ – „Was tust du?“ Aber sie war bereits unter der Decke verschwunden – und blies mich! Das heißt: Sie nahm meinen Schwanz in den Mund und behielt ihn etwa eine Minute drin, hielt mein verblüfftes kleines Ding im Mund, Doktor, wie ein Fieberthermometer. Ich warf die Decke zurück – das musste ich sehen! Zu spüren gab’s nicht allzu viel, aber der Anblick! Bloß, das Unternehmen schien bereits abgeschlossen. Sie hatte ihn inzwischen zur Seite geschoben und er lag nun an ihrer Wange, auf denen ich Tränen sah.“ – „Ich hab’s getan“, verkündete sie. – „Sally... Sarah... weine nicht.“ – „Aber ich hab’s getan, Alex.“ – „Ja, aber“, sagte ich, „war das alles?“ – „Du meinst... noch mehr?“ fragte sie, schwer atmend. – „Also, ehrlich gesagt: bisschen mehr, um ganz offen zu sein, ich hätte nichts dagegen, wenn...“ – „Aber er wird immer dicker. Ich werde daran ersticken.“ — Jude erstickt Debütantin mit seinem Schwanz.
Samstag, 1. Januar 2011, 12:22 Uhr+1

Portnoys Beschwerden

. — Grandioses Buch. Von Philip Roth. – „Habe ich schon erwähnt, dass ich ihn mit fünfzehn während der Heimfahrt von New York im Bus aus der Hose zog und wichste?“ – „legt damit auf eine Schickse an“ – „Und statt seines überlegenen jüdischen Gehirns könnte er genauso gut Matzenbrei im Kopf haben!“

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